Ein Reetsel ;-)

März 23, 2015 in Allgemein, Umgebung

Was tut sich denn dort im Schilfdickicht am Haddebyer Noor? Vom Weg zwischen Odins Gasthof, Parkplatz und Wikingermuseum aus sind seltsame Pyramiden im Reetgürtel des Noorufers zu erkennen. Baut dort jemand Lavvus auf, die Zeltkoten der im hohen Norden lebenden Samen, oder sollen das nordamerikanische Tipis sein? Das Foto ist nicht so deutlich, es war diesig, ich war weit entfernt auf dem Weg und es regnete. Aber dass dort etwas war, das habe ich gesehen!

Im Hintergrund die Wasserfläche des Haddeber Noores, im Vordergrund eine Grasfläche. Im Schilfgürtel dazwischen sind dreieckige Erhebngen undeutlich zu erkennen.

Links davon, zwischen Baum, Gebüsch und dem Ansgar-Denkmal, regte sich auch etwas.

Auf diesem Bild ist zu erkennen, dass auch Menschen im Schilf sind.

Dorthin war der Blick auch besser: Es ist zu erkennen, dass die seltsamen Pyramiden aus geschnittenen Reetbündeln bestehen, die zum Trocknen in Garben zusammengestellt werden.

Hier steht eine Person neben einer dieser ominösen Pyramiden und trägt ein Bündel geschnittenes Schilf in den Armen.

Es kommt hier in der Gegend selten vor, dass das Schilf abgeerntet wird. Die Schilfzonen am Schleiufer haben einen sehr hohen ökologischen Wert. Sowohl das Schilf selbst als auch die in den Schilfflächen siedelnden Mikrolebewesen wirken reinigend, nährstoffabbauend und sauerstoffzuführend auf das Wasser. Die Schlei, die zwar ein Arm der Ostsee ist und touristisch als „Ostseefjord“ angepriesen wird, hat durch ihre Länge jedoch keinen großen Wasseraustausch. Ihre Wasserqualität hängt vom Schilf ab, das jedoch aus verschiedenen Ursachen immer weniger wird. Die Königswiesen, vielen Gästen als Veranstaltungsort der „Wikingertage“ bekannt, waren auch einmal eine große, sumpfige Schilffläche. Inzwischen wird hier um jeden Quadratmeter Schilf gekämpft, wie Versuche, Schilf an der Möweninsel und anderswo anzusiedeln, und die Empörung über die Schilfrodung am Ufer der „Freiheit“ zeigen. Aber warum werden diese ökologisch so kostbaren Halme dann abgeschnitten?

Ein paar spärliche hellbraun-gelbliche Schilfhalme vor blauer Wasserfläche, dahinter ist das andere Ufer zu sehen. Im Jahresrhythmus wachsen jedes Frühjahr neue grüne Schilfrohre aus den alten Wurzelausläufern empor. Auch wenn die ganz alten Teile dieser unterirdischen Rhizome absterben, können sich im Laufe der Jahre riesige Wurzelflächen bilden. Als ganzes gesehen können Schilfpflanzen ein geschätztes Alter von bis zu 8.000 Jahren erreichen!

Nach der buschig-schwarzen Blüte im Spätsommer sterben die Halme zum Winter hin ab, vergilben und werden durch Winterstürme, schweren Schnee und Eis abgebrochen. Die abgestorbenen Teile sind Grundlage für neues Leben, und Schilf trägt so zur natürlichen Verlandung von Gewässern bei. Eine Wasserfläche, die nicht im Laufe der Zeit verlandet, ist eine vom Menschen beinflusste Kulturlandschaft. Die Wikinger, die ihre Häuser unter anderem auch mit Reet deckten, haben diese Bauweise nicht erst erfunden! Schon vor ihnen wurden in der Bronzezeit Nurdachhäuser aus Reet gebaut. Nachbauten davon können im AZH besichtigt werden.

Weil unsere Gewässer insgesamt durch zu hohe Nährstoffwerte aus Abwasser und Landwirtschaft belastet sind, bilden sich unter Sauerstoffabschluss häufig Faulschlammschichten auf dem Grund. Diese verbrauchen wieder Sauerstoff, wodurch die Wasserqualität dann noch mehr abnimmt. Das Schilf hilft daher einerseits, Nährstoffeinträge durch Oberflächenwasser zu reduzieren, führt aber andererseits dem Wasser durch seinen abgestorbenen Teile auch Nährstoffe zu. Zur Erhaltung der Wasserqualität und der Waserfläche selbst ist es heute sowohl nötig, die Nährstoffzfuhr ins Wasser zu begrenzen als auch immer wieder die Schilfgürtel abzuernten. Das geschah früher regelmäßig bei der Gewinnung von Dacheindeckung, denn Reetdächer müssen immer wieder erneuert werden. Heute kann der Bedarf an Reet als Material aus den wenigen, noch in Deutschland existierenden Flächen sowieso nicht gedeckt werden, es wird viel imporiert.

Wozu das Reet, das gerade am Haddebyer Noor geerntet wird, schließlich verwendet wird, weiß ich nicht. Das bleibt erst einmal ein „Reetsel“. Ich wollte mit diesem Text vor allem den Gästen aus anderen Regionen, die die Schlei nur im Sommer erleben, einen Blick auf diese prägende Pflanze und die anderen Jahreszeiten hier am Schleiufer bieten. Wir können eben nicht nur Muscheln schubsen, wir schieben auch Schilfinseln hin und her! 😉

 

Rückblick auf das Eldathing an der Schlei

Oktober 16, 2014 in Eldaring Heidenstammtisch

Das Eldathing, die Mitgliederversammlung des Eldaring, 2014 in Borgwedel bei Schleswig ist nun Geschichte und wir danken allen Akteuren, Beteiligten und Helfern für ihren Einsatz! Ohne Euch alle wären diese Tage sicher nicht halb so schön, eindrucksvoll und harmonisch verlaufen!

Bereits am Sonntag vor dem eigentlichen Thingwochenende trafen die ersten Teilnehmer in der Region ein und beehrten unser Ladengeschäft gleich Anfang der Woche mit Ihrem Besuch. Am Mittwoch abend fand dann der Eldaring-Stammtisch bei uns statt und einige Ringler aus den südlicheren Gefilden ließen es sich nicht nehmen, mit uns Nordlichtern einen netten Abend zu verbringen. Der Donnerstag wurde der Hauptanreisetag und abends zur Ausrufung des Thingfriedens war bereits eine stattliche Anzahl Mitglieder in Borgwedel anwesend. Zuvor begeisterte uns die außerordentliche Qualität des Abendessens in der Jugendherberge Borgwedel.

Am Freitag, gleich nach einem tollen Brunchbuffet, begannen die verschiedenen Aktionen, Treffen, Vorträge und Arbeitsgruppen. In unsortierter Reihenfolge waren dies über die gesamten Tage:

Seidhr-Workshop, Runensingen, Ahnenritual bzw. Familienstellen, Bronzegießen, Workshop Kalenderbau und Kerzenrituale, Fahrten auf dem Wikinger-Schiff, Bogenschießen, gemeinsames Singen am Feuer, Hörnchen heben, Sumbeln, maritimer Abend, Führung durch Haithabu und Shoppen bei Beowulf, bei Fam. Goos und bei Rumbi.

So ganz „nebenbei“ trafen sich auch noch verschiedene Arbeitsgruppen wie die Schamanismus AG, die Website AG, die Herdwarte und andere.

Außerdem gab es am Freitag ein „Thing“ genanntes Treffen, in dem in größerer Runde die wesentlichsten Punkte der offiziellen Mitgliederversammlung vorbesprochen wurden. Dieses (und vielleicht auch ein ganz klein wenig das schöne Wetter mit dem Wikingerschiff Sigyn direkt vor der Herberge… 😉 ) führte am Samstag zu einer sagenhaft kurzen Mitgliederversammlung von nur gut 1,5 Stunden!

Für nicht wenige war das große Blot am Samstag abend direkt am Ufer der Schlei wohl die Hauptsache. Alle Beteiligten hatten sich gut vorbereitet und spürbar mächtig ins Zeug gelegt, um dieses eindrucksvolle Ritual zu gestalten.

Wir blicken nun auf eine sehr arbeitsintensive, aber auch interessante und lehrreiche Zeit zurück und die äußerst positive Resonanz der Gäste ist ein sehr schöner Lohn dafür!

Wir danken Ragin, Christian und Elvira für die Bilder.

Schleigold

März 16, 2014 in Ausflugstipps, Umgebung

Die letzten Beiträge auf dieser Seite haben sich alle mit der Stadt, unserem Laden oder unserem Onlineshop beschäftigt. Da wird es Zeit, mal wieder einen Blick auf unsere schöne Umgebung hier direkt an der Schlei zu werfen. 🙂

Sonnenuntergang am Ufer der Schlei, im Vordergrund ein blattloser Busch, im Hintergrund des Blickes nach Westen sind die Ufer der Stexwiger Enge und die drei höchsten Gebäude Schleswigs zu erkennen: Der Wikingturm, der Domturm und der Fernsehturm Schliekieker.

Wer auch so einen Sonnenuntergang erleben möchte, sollte sich im Frühjahr zur passenden Uhrzeit an der Steilküste bei Weseby aufhalten. Dort ist es auch zu anderen Jahres- und Tageszeiten schön. Der Blick über die Große Breite (ein sehr breiter Teil der Schlei) hinweg nach Westen lässt im Hintergrund die drei höchsten Gebäude von Schleswig erkennen: Links der Wikingurm, in der Mitte der Turm des Doms, in dem merkwürdig unbiblisch erscheinende Deckenmalereien wahlweise als Hexen oder auch als Freya und Frigga bezeichnet werden, und rechts der Fernsehturn „Schliekieker„.

 
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