Bericht und Nachgedanken zur Fachtagung „Wikingerkult und Rechtsextremismus“

Oktober 16, 2017 in Allgemein, Wikinger

Die Fachtagung mit dem Titel „Odin mit uns! – Wikingerkult und Rechtsextremismus“ fand am 09. und 10.Oktober in der Akademie Sankelmark statt.

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Zunächst vielen Dank an sämtliche Organisatoren und Beteiligten, die diese Veranstaltung überhaupt ermöglicht haben. Federführend sind hier die Arbeiterwohlfahrt Schleswig-Holstein (AWO) sowie das Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus mit seinen mobilen Teams zu nennen. Durch die Einbindung verschiedenster Institutionen wie z. B. der Bundeszentrale für politische Bildung, dem archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein oder auch dem Innenministerium S-H, folgten äußerst renommierte Referenten dem Ruf zur Teilnahme an dieser Tagung. Vielfach wurde offensichtlich, dass sich diese unterschiedlichen Akteure hier zum ersten Mal begegneten.

Die Workshops dieser Tagung wurden online dokumentiert, hier der Link zur Dokumentation.

Wir hatten die Tagung inklusive einer Übernachtung gebucht. Am Montagmorgen gruppierten sich um den nett gedeckten großen Kaffeetisch bereits einige Personen, unter denen wir so manche bekannte Gesichter und Namen entdeckten. An einer Wand befand sich zur Orientierung eine Informationstafel und hier konnte jeder nachlesen, zu welchen Workshops man sich angemeldet hatte. Wir waren bereits während der Anmeldung mit den Auswahlmöglichkeiten überfordert, da die Workshops gleichzeitig stattfanden und wir gerne an allen teilgenommen hätten. Der mündlich angekündigten Möglichkeit, sich jetzt noch Umzutragen, kamen auch gleich einige der Teilnehmer nach, und bevor wir uns noch einmal mit unser Auswahl befassen konnten, wurde zu den Begrüßungs- und Eröffnungsvorträgen gerufen. Der nun folgende „Vortragsmaraton“ bot leider kaum noch Zeit für anderes, die Pausen mussten verkürzt und die Essenszeiten verschoben werden, um überhaupt noch annähernd im Programm zu bleiben. Sämtliche Vorträge hatten durchweg ein recht hohes Niveau (bis auf die Aktualität von Statistiken bzw. Einbezug von Sozialen Medien, aber dazu später mehr) und die Referenten wussten soviel Interessantes zu erzählen, dass leider viel zu wenig Raum für Diskussionen blieb. Zu allem Übermaß wurden auch die Workshops größtenteils als Vortrag gestaltet, alle Teilnehmer waren somit in eine eher passive Rolle gedrängt, obwohl sich darunter ebenfalls so einige „Hochkaräter“ ihrer jeweiligen Disziplin befanden. Schade, denn unter dem Begriff „Workshop“ hatten wir uns mehr Mitwirkung und Einbindung der Teilnehmer vorgestellt.

Leider fehlten auf dieser Tagung weitestgehend auch diejenigen, über die hier gesprochen werden sollte und damit sind keineswegs Extremisten der rechten Szene gemeint, sondern Menschen aus den Bereichen „Reenactment“, „Living History“, oder auf deutsch: Mitwirkende an und auf (Früh-) Mittelalterveranstaltungen (vor allem aus dem Bereich Frühmittelalter-Schaukampf) genauso wie Personen aus den Bereichen Heidentum und Paganismus. Ihnen wird schließlich vorgeworfen, das wissenschaftliche Bild der Wikingerkultur verfälscht darzustellen, und es wäre auf dieser Tagung zu klären gewesen, ob das durch ein Versagen der Wissenschaft (Art der Forschung und Publikationen) oder durch Ignoranz bzw. ideologische Verblendung der „Laien“ begründet ist. Es waren lediglich einige Teilnehmer in Doppelfunktion anwesend: Unter den mobilen Beratern für Rechtsextremismus fanden sich Rollenspieler (LARP – Live Action Roleplaying) und auch ein Schwertkämpfer, welcher diese Tätigkeit aber vorwiegend als reine Sportart und in Turnhallen ausübt. Ähnlich verhielt es sich innerhalb der historischen Disziplin: Einige der anwesenden Archäologen, Skandinavisten, Forscher und Museumsleute konnten natürlich mit persönlichen Erfahrungen im „Living History“ aufwarten, aber aktive Schaukämpfer fanden sich leider nicht darunter. Das Fazit, mehr miteinander statt übereinander zu sprechen, wurde jedoch einstimmig begrüßt.

Die Gründe, warum kaum Schaukämpfer oder Vertreter des Heidentums anwesend waren (letztere ebenfalls nur in Doppelfunktion), liegen zum einen darin, dass diese Tagung am Wochenbeginn stattfand. Berufstätige hätten dafür (Bildungs-) Urlaub einreichen müssen und das gestaltet sich für Studierende, Beamte und Mitarbeiter in öffentlichen Institutionen um ein vielfaches leichter, als für Selbstständige oder Arbeitende und Angestellte in Kleinbetrieben.

Hinzu kommen einige sehr unglücklich gewählte Formulierungen in der Tagungsbeschreibung. Die oberflächliche mediale Sommerloch-Berichterstattung über die Schildbemalung mit einem Hakenkreuz während der Schleswiger Wikingertage zum Aufhänger zu wählen, musste in Anbetracht der vorausgegangenen Diskussionen innerhalb der Reenactment-Szene „nach hinten losgehen“. Bis heute wird eine sachliche Diskussion darüber dadurch erschwert, dass es parallele Artikel in den Zeitschriften „Schleswiger Nachrichten“ des SHZ (Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag) und in der TAZ („Die Tageszeitung“) gab, in den beiden Artikeln unterschiedliche Schilde abgebildet sind und beim SHZ eine Broschüre des Museums Oerlinghausen nicht erwähnt wird, im TAZ-Artikel hingegen schon. Die Schleswiger Wikingertage haben sich in der Vergangenheit zwar nicht gerade mit Ruhm bekleckert, was die Auswahl von Musikgruppen oder den Einlass von Besuchern mit rechtsextremistisch eindeutig konnotierter Bekleidung betrifft – aber es ist verwirrend, in selben Diskussionsstrang Fotos aus Wolin abzubilden, wo das Zeigen von Hakenkreuzen (unabhängig von der Frage nach deren historischer Nachweisbarkeit) keine Straftat darstellt. Bereits diese Unsachlichkeit bewirkte bei einigen Unwilligkeit, sich mit diesem Thema überhaupt auseinanderzusetzen. Die in dem TAZ- Artikel erwähnte Broschüre „Nazis im Wolfspelz“ von Karl Banghard (Freilichtmuseum Oerlinghausen) hatte Aufregung und Kritik verursacht, die bei vielen in der Szene anscheinend zu einer unkooperativen Trotzhaltung geführt hat.

Vorderseite „Nazis im Wolfspelz“:

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Zum Vergleich hier die Links zu den Zeitschriften:

Schleswiger Nachrichten v. 09.08.2016: „Nazi-Verdacht bei den Wikingertagen /Achtspeichiges Hakenkreuz auf einem Schild bei den Kampf-Vorführungen sorgt für Wirbel / Veranstalter sprechen von „unglücklicher Motivwahl““

Schleswiger Nachrichten v. 10.08.2016: „Nazi-Verdacht in Schleswig : Hakenkreuz-Schild bei Wikingertagen – Blödheit oder Provokation? /Die Wikinger-Szene diskutiert über ein fragwürdiges Symbol in Schleswig. Schaukämpfer fühlen sich ungerecht behandelt.“

TAZ v. 10.08.2016: „Nazi-Symbol beim Wikinger-Fest / Mit Rüstung und Hakenkreuz /Beim Wikinger-Fest in Schleswig kämpft ein Darsteller mit einem Hakenkreuz-Symbol. Die Unterwanderung durch Rechte sei ein Problem, so Forscher.“

Viele Schaukämpfer fühlten sich zunächst durch das Heft von Banghard und dann nochmal durch die Presse pauschal an den Pranger gestellt. Dieses Heft lag auch den Tagungsmappen bei, welche allen Teilnehmern zur Verfügung gestellt wurden. Zum Inhalt von „Nazis im Wolfspelz“ sollte zunächst lobend erwähnt werden, das Karl Banghard der einzige seiner Zunft ist, der sich bisher überhaupt öffentlichkeitswirksam mit dieser Problematik auseinander gesetzt hat. Leider wurden die darin gezeigten Beispiele lediglich an einer Veranstaltung im polnischen Wolin festgemacht und obwohl die deutsche Reenactment-Gruppe „Ulfhednar“*** im Heft und auf der Tagung erwähnt wurde, sind die Gesetze und politischen Gegebenheiten in Polen ganz andere als in Deutschland. Die Be- und Zuschreibungen der Symbole in Karl Banghards Heft sind weitestgehend korrekt, aber in Anbetracht des nahezu völligen Fehlens entsprechender wissenschaftlicher Fachliteratur* und somit nicht vorhandener Fußnoten oder Verweise sind sie eindeutig viel zu oberflächlich gehalten. Aber was will man schon in einem dünnen, bunt bebilderten Heft von nicht einmal 60 Seiten alles unterbringen?

Rückseite „Nazis im Wolfspelz“:

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Wer sich den Inhalt des Heftes „Nazis im Wolfspelz“ online ansehen möchte, kann das hier tun.

Häufig ist den Mitwirkenden der heutigen Wikingerszene übrigens gar nicht bewusst, welche Faszination sie mit ihrer Darstellung für die Anhänger nordischer Rassenlehren ausüben. Besonders deutlich wurde dieses, als 2016 plötzlich Bilder von Wikingerdarstellern auf Facebookseiten auftauchten, die sich „Save our White Children!“** und „Proud European Heritage“** nannten. Dort wurden ebenso Fotos von Kindern aus der Reenactmentszene ungefragt politisch verwendet wie die von Personen ohne deren Kenntnis mit Texten wie „I am proud to be a white heterosexual!“ versehen.

Im Verlauf der Tagung wurde auch deutlich, dass der Unterschied zwischen einer Museumsveranstaltung und privatwirtschaftlichen Unternehmungen (z. B. „Wikingertage Schleswig“) kaum bekannt war: Der Auftrag eines Museums besteht in erster Linie darin, Wissen zu vermitteln, und die Aufgabe einer Veranstaltungsfirma ist es, Geld zu verdienen. Da sich die Fachwissenschaft jedoch zum großen Teil in ihre Elfenbeintürme der Forschung zurückgezogen hat und tatsächlich kaum in der Lage ist, ihre eigenen (Museums-) Veranstaltungen zu kontrollieren (wie im Laufe der Tagung ebenfalls deutlich wurde), werden insbesondere private Initiativen kritisiert, aber leider viel zu selten wissenschaftlich begleitet. Zwar wurden die Unterschiede und Probleme zwischen wissenschaftlicher Forschung sowie ihrer Vermittlung durch Dr. Ulf Ickerodt (Arch. Landesamt S-H) anschaulich erläutert, aber von einem Konzept in Bezug auf das Tagungsthema scheint man in Schleswig dennoch weit entfernt zu sein.

Es gibt indes durchaus Bemühungen, Veranstaltungen für Rechtsextremisten unattraktiv zu machen, indem szenetypische Kleidung bei Besuchern und vor allem der Verkauf und die Präsentation entsprechender Symbole durch Mitwirkende (Reenactors und Händler) verhindert werden. Meistens wurden solche Regeln erst nach Auffälligkeiten entwickelt, aber die Sensibilität für diese Auffälligkeiten scheint sehr unterschiedlich entwickelt zu sein: So haben beispielsweise der Verein Valsgaard oder auch die Wikingergesellschaft Jork / Altes Land Konzepte entwickelt, wohingegen für andere Veranstaltungsorganisatoren, sowohl Museen als auch kommerzielle Veranstalter, „das Kind erst richtig in den Brunnen gefallen sein muss“, um eine rechtliche Handlungsgrundlage beispielsweise durch entsprechende Formulierungen in der Hausordnung zu schaffen. Das Kreismuseum Wewelsburg hat sich z. B. eine äußerst rigorose Hausordnung gegeben, welche wohl keinen Raum mehr für rechtsextremistische Inzinierungen und Auftritte lässt und auch Oerlinghausen ist hier wohl ziemlich weit vorn mit dabei. Ob das auch für andere Museen ein akzeptabler und gangbarer Weg wäre, muss aber wohl noch diskutiert werden.

Ähnlich wie bei den Schaukämpfern verhält es sich mit der ebenfalls im Tagungstext angesprochenen „Neopaganen Religiosität“. Formulierungen wie: „Wissen wir, was die Wikinger glaubten? Gab es überhaupt einen gemeinsamen Glauben der Wikinger? Neben der Beschäftigung mit diesen Fragen soll in dem Workshop auch darüber diskutiert werden, ob ein Anknüpfen an germanische Religionen immer rechts konnotiert sein muss“, sind mit Sicherheit nicht geeignet, Brücken zu bauen, sondern hinterlassen im besten Fall ungläubiges Staunen über soviel Unwissenheit – oder sollte man hier besser das Wort Ignoranz verwenden? Man hätte im Einladungstext genauso gut eine andere Frage formulieren können: „Muss die heutige Archäologie zwingend am rechtsextremen Ahnenerbe anknüpfen?“ Wieviele Archäologen wären dem Ruf zur Tagung dann wohl gefolgt und hätten daran teilgenommen? Aber auch während der Tagung fielen Begriffe wie „erfundene Religion“ und andere unschöne Formulierungen. Nicht zuletzt wurde der Workshop „Neopagane Religiösität und ihre wikingerzeitlichen Vorbilder“ durch einen evangelischen Theologen geleitet, welcher die Stellung eines Sektenberaters – oder genauer: eines „Beauftragten für Sekten- und Weltanschauungsfragen“ einnimmt. Einladend und vor allem neutral wirkt das nicht gerade – wobei hier keineswegs gesagt werden soll, dass Herr Dr. Matthias Pöhlmann nichts von seinem Fach verstünde! An diesem Workshop konnten wir wegen der Überschneidungen leider nicht teilnehmen, aber aufgrund der entsprechenden Dokumentation und der Berichte von Teilnehmern wäre jedoch Folgendes anzumerken:

Vielleicht wäre es für diesen Workshop generell besser gewesen, nach unabhängigen und vor allem überkonfessionellen Referenten Ausschau zu halten. Solche finden sich beispielsweise bei „REMID“, dem religionswissenschaftlichen Medien- und Informationsdienst e.V. aus Marburg. Ebenfalls etwas erschreckend war es auch festzustellen, dass die Publikation „Göttertrost in Wendezeiten : neugermanisches Heidentum zwischen New Age und Rechtsradikalismus“ von Prof. Stefanie von Schnurbein aus dem Jahr 1993 zwar einigen bekannt war, ihre neuere und wesentlich umfangreichere Untersuchung des Themas in Norse Revival. Transformations of Germanic Neopaganism“ aus 2016 hingegen wohl noch nicht wahrgenommen, geschweige denn gelesen wurde. Zumindest war dieses unser Eindruck in persönlichen Gesprächen am Rande der Tagung. Gerade in den letzten zwanzig Jahren hat sich in diesem Bereich aber soviel Grundlegendes verändert, dass ein Rückgriff auf mehr als zehn Jahre alte Publikationen nahezu ungebildet erscheint. Möglicherweise wäre auch Stefanie von Schnurbein eine bessere Wahl für diesen Bereich gewesen. ****

Die Ablehnung heidnischer („neopaganer“) Religiosität zog sich im übrigen wie ein roter Faden durch die gesamte Tagung. Die beispielhaft erwähnten Gruppierungen waren die „Artgemeinschaft“*** sowie die Reenactment-Gruppe „Ulfhednar“***. Seriösere Formen von heutiger paganer Religiosität waren aufgrund der Tagungsausrichtung kaum Thema. Jedoch setzt sich die nicht-rechte Szene des Heidentums seit rund zwanzig Jahren nun schon immer wieder distanzierend mit dieser Thematik auseinander. Vielleicht wären dortige Lernprozesse sogar beispielhaft für das Entwickeln von musealen Abgrenzungskonzepten. Stattdessen wurde berichtet, dass pagane und auch esoterische Gruppen gerne eingetragene Bodendenkmäler (Großsteingräber u. ä.) für ihre Praktiken aufsuchen und leider nicht immer pfleglich mit diesen und der jeweiligen Umwelt umgehen. Wer solche Orte häufig besucht, wird tatsächlich immer wieder auf dort hinterlassenen Wohlstandsmüll oder gar auf Beschädigungen der Denkmäler stoßen. Da ist es beinahe schon logisch, dass Archäologen und Denkmalpfleger nicht eben gut darauf zu sprechen sind. Wer somit heute in der ur- und frühgeschichtlichen Forschung Karriere machen möchte, sollte sich hinsichtlich seiner religiösen Präferenzen daher entweder verschlossen geben, oder sich zu einer der beiden großen, christlichen Kirchen bekennen – alles andere könnte offensichtlich hinderlich sein.

Zumindest soweit wir das mitbekamen, wurden weitere wichtige Teile der Problematik kaum thematisiert, nämlich die Vereinnahmung des Wikingerbegriffes von Rechtsextremisten in sozialen Netzwerke wie z. B. Facebook und im Bereich Onlineversand. Ebenfalls deutlich wurde, dass sich etliche der anwesenden Fachleute vorwiegend mit gedruckten Schriften befasst hatten und zusätzlich lediglich – recht oberflächlich – die große Internetsuchmaschine (Google) bemüht hatten. Was sich themenbezüglich alleine in den letzten zehn Jahren in sozialen Netzwerken oder auch in Diskussionsforen entwickelte, war den meisten Wissenschaftlern auf dieser Tagung leider nahezu unbekannt. Diese Unkenntnis wurde auch kurz thematisiert und es wurde festgehalten, dass hier Nachholbedarf besteht. Wie das allerdings gehen soll, wenn sich die Forscher auch zukünftig verweigern, an profanen Diskussionen teilzunehmen, bleibt zunächst noch ein Rätsel. Was hilft es, die geschichtliche Parallelentwicklung von Archäologie als Wissenschaft und die Begriffsbildung von Nation als eine Ursache der Problematik klar herauszuarbeiten, wie es Dr. Ulf Ickerodt in seinem Vortragsteil tat, wenn es „nicht Aufgabe der Forschung ist, ihre Ergebnisse einem breiten Publikum vorzustellen“? Sollte sich Forschung nicht mit aktueller Recherche nach Wikingerrezeption verbinden, wie sie beispielsweise Jan Raabe durch den aktuellen Besuch der Wikingertage und detaillierte Kenntnisse im Bereich Neopaganismus erbringt? Er gilt als Experte für Rechtsrock, konnte jedoch mit seinem Vortragsteil genau diese Verbindung zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und „Umsetzung“ des Wikingerbildes verdeutlichen.

Einer der bemerkenswertesten Beiträge aus dem Plenum heraus kam übrigens von Prof. Rudolf Simek. Herr Simek forderte seine Fachkollegen darin auf, sich mehr für populärwissenschaftliche Arbeiten zu öffen und eventuell sogar Beiträge für Illustrierte zu verfassen, denn „(…) wenn wir es nicht tun, tun es andere (…)!  Nicht zuletzt zeigt Simek durch seine Veröffentlichungen sowie durch seine Zusammenarbeit mit Tommy Krappweis schon seit Jahren, wie sowas aussehen kann, und er ist damit den meisten seiner Fachkollegen schon um Lichtjahre voraus – Vielen Dank Herr Prof. Simek!

Für einige Entspannung am Montag Abend sorgte dann die Vorführung „Best of Wikingerfilme“ von Herrn Ickerodt. Es wurden Trailer von (gefühlt) allen bekannten und auch einigen unbekannten Filmen mit Wikingerbezug gezeigt, die Herr Ickerot witzig und ironisch kommentierte.

Am Dienstag besuchten wir direkt nach dem Vortrag den Workshop „Was tun bei rechtsextremen Vereinnahmungsversuchen im Reenactment und bei Museumsveranstaltungen?“ von Ute Drews (Wikingermuseum Haithabu) und Ralf Hoppadietz (Universität Leipzig). Der Workshop begann wiederum mit einleitenden Vorträgen, hatte dann aber zumindest ein Element, welches man tatsächlich als Workshop bezeichnen kann. Im vortragenden Teil von Herrn Hoppadietz wurde sehr gut herausgearbeitet, dass eben nicht jede Zurschaustellung eines historisch überlieferten Symbols auch eine korrekte historische Darstellung ist. Wären solche Ausarbeitungen einer breiteren Masse von Reenactern bekannt, würde vielleicht sensibler mit Symbolen umgegangen. Es bleibt die Frage, ob die aktuelle Unsensibilität durch mangelnde Bringschuld der Wissenschaft oder durch Trägheit oder gar bewusste Provokation der Darsteller verursacht wird – und auch, wie mit solchem provokanten Symbolmissbrauch umzugehen ist. Sowohl hier wie auch während der nachmittäglichen Führung durch Haithabu wurde deutlich, dass sich Frau Drews der Bedeutung Haithabus als ideologische Wallfahrtsstätte für Rechtsextremisten bisher wohl nicht ausreichend bewusst war. So existiert bisher weder eine entsprechende Hausordnung noch ein Konzept, wie mit offensichtlich rechtsextremistischen Besuchern umgegangen werden soll. Diesbezüglich wurde aber eine Änderung angekündigt, welche durch die mobilen Berater für Rechtsextremismus nun tatkräftig unterstützt werden soll.

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Fazit: Eine solche Veranstaltung war seit Jahrzehnten überfällig und sie ist, gerade in Anbetracht der aktuellen politischen Situation, dringender denn je. Es bleibt zu hoffen, dass die hier entstandenen Kontakte intensiv genutzt werden, um entsprechende Konzepte zu entwicken. Jedoch kann und sollte diese Fachtagung nur den Auftakt für eine Reihe weiterer Veranstaltungen – und vor allem auch Publikationen – mit ähnlichem Themenschwerpunkt darstellen. Wer sich nun zurücklehnt und glaubt, man hätte ja etwas getan und das müsste für die nächsten Jahre reichen, irrt ganz gewaltig. Für uns und unser kleines Unternehmen existiert so ein Konzept übrigens bereits seit vielen Jahren und es wurde immer wieder ergänzt, diskutiert und überarbeitet. Wer mehr darüber wissen will, darf uns gerne besuchen und befragen, hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack:

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* Von anderen Teilnehmenden erfuhren wir, dass in dem Workshop „Vergangenheit trifft Gegenwart – Runen, Symbole und Codes im Rechtsextremismus“ von Priv. Doz. Dr. Alexandra Pesch (Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie) und Kristin Kröckel (Regionales Beratungsteam gegen Rechtsextremismus Itzehoe) umfassende und fundierte Informationen geboten wurden. Leider findet sich dazu keine Dokumentation, wohl wegen der Schwierigkeit, in dieser Dokumentationsform verwendete Abbildungen zu zeigen.

** Die genannten Seiten sind auf Grund einer entsprechenden Meldung eines in diesen Netzwerken aktiven Fotografen nicht mehr sichtbar. Es wurden Urheberrechte geltend gemacht.

Hinweis: Auf eine Verlinkung der mit *** gezeichneten Begriffe wurde bewusst verzichtet. Wer nicht weiß, um wen oder was es sich dabei handelt, mag die Internet-Suche bemühen.

**** Inzwischen erfuhren wir, dass Frau von Schnurbein aus terminlichen Gründen leider nicht als Referentin zur Verfügung stand.

PS. Der etwas anders gewichtete, aber dennoch interessante Tagungsbericht einer teilnehmenden Archäologin findet sich hier.

„Windzeit, Wolfszeit… Metzeit!“

Oktober 31, 2016 in Allgemein

Der Kunstverein Schleswig und Umgebung veranstaltet zu seinem 30. jährigem Jubiläum die nunmehr zweite Kunstmeile in der Stadt – Herzlichen Glückwunsch! Weit mehr als hundert Kunstwerke sind in den Schaufenstern von fünfzig Geschäften der Stadt Schleswig zu sehen und man kann sich nicht nur an den Bildern erfreuen, sondern es gibt auch zwanzig Kunstwerke zu gewinnen!

Nach der Eröffnung am 28.10.2016 sind die Bilder noch etwa bis zum 18.11.2016 in den teilnehmenden Geschäften zu sehen.

Unser Laden ist während dieser Zeit mit einem Gemälde der Künstlerin Anne Paysen-Petersen geschmückt und es trägt den passenden Titel „Windzeit, Wolfzeit… Metzeit!“

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Die Kenner haben es sicher schon bemerkt: Dieser Titel ist eine (wie wir finden, sehr passende… 😉 ) Ableitung aus der „Völuspá“, der „Weissagung der Seherin“, dem ersten der 16 Götterlieder aus dem „Codex Regius“. Dort heißt es:

„Brüder schlagen dann,
morden einander;
Schwestersöhne
verderben Verwandtschaft;
wüst ist die Welt,
voll Hurerei; ’s ist
Beilzeit, Schwertzeit,
zerschmetterte Schilde,
Windzeit, Wolfszeit,
bis einstürzt die Welt –
nicht ein Mann will
den anderen schonen.

Der Seherin zufolge wird sich jedoch eine neue Welt aus den Wellen erheben, auf der Baldr und sein Töter, Höðr, herrschen werden. Ein neues Goldenes Zeitalter für Götter und Menschen beginnt.“   Quelle

Bei uns im Laden sind noch weitere Arbeiten von Anne Paysen-Petersen zu sehen und außerdem liegen auch Flyer bezüglich des erwähnten Preisausschreibens aus.

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Die Wikinger-Imkerei

Juni 8, 2016 in Allgemein, Bienen, Umgebung, Warenangebot, Wikinger

Die wohl wahrscheinlichste Übersetzung des Namens „Beowulf“ lautet „Bienenwolf“ und gilt als Kenning für „Bär“. Was liegt da näher, als das wir uns mit dem Thema Bienen beschäftigen – zumal wir ja schon seit langem entsprechende Produkte wie Met oder Bienenwachskerzen im Angebot haben.

Wikinger-Imker mit Lüneburger Stüper

Zu Beginn standen zunächst die Fragen im Raum mit welcher Bienen“rasse“ (Korrekt: Unterart der westlichen Honigbiene) und mit welcher Bienenbehausung („Beute“) wir denn eigentlich imkern wollten. Nach dem Besuch etlicher Imkerstammtische, Imkertreffen, entsprechenden Vorträgen sowie der Internetrecherche stand erstmal fest was wir auf gar keinen Fall wollten: Irgendwelche Profi-Hochleistungs-Zuchtbienen wie sie im Netz und in entsprechenden Imkerzeitungen angeboten werden. Am interessantesten erschien uns die Korbbienenhaltung als Schwarmimkerei im „Lüneburger Stülper“, wie er seit vielen Jahrhunderten in ganz Norddeutschland gebräuchlich war und als Ergänzung noch die eine oder andere Klotzbeute dazu. Das ganze natürlich nicht mit irgendeiner, sondern am Besten mit der „Dunklen Biene“, welche als gefährdeter Ökotyp und in Deutschland bereits seit einigen Jahrzehnten als ausgestorben gilt. Allerdings gestaltete es sich gleich als äußerst schwierig an ausgediente Stülper zu kommen und der einzige Korbflechterkursus in erreichbarer Nähe war auch bereits ausgebucht. Hinzu kam, daß die sehr wenigen Imker, welche in Deutschland noch halbwegs reine Dunkle Bienen halten, allesamt nicht bereit waren, von Ihren Prachtexemplaren welche an Anfänger abzugeben.

Da es aber ja irgendwie doch losgehen sollte und Versandbienen vom Züchter auf gar keinen Fall in Frage kamen, besuchten wir weiter Imkerstammtische um regionale Kontakte zu knüpfen. Hierüber erfuhr ich von einem Imker in der Nähe, welcher mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte und dringend Hilfe bei der Honigernte benötigte. Ich kontaktierte ihn, bot meine Hilfe an und bekam als Lohn drei Ableger, welche wir während der Honigernte gleich vor Ort erstellten. Seine Bienen hatte er übrigens – züchterisch völlig unbehandelt – von einem alten Imker im Dorf übernommen und von Zucht oder Hochleistung will er bis heute auch nichts wissen. Schwarmverhinderung? „Die fliegen ja sowieso immer weg…“ Königin markieren? „Wozu? Die machen sich ja eh neue…“ Behandlung? „Organische Säuren. Soviel wie nötig, sowenig wie möglich!“ Also ziemlich nah daran, was wir uns vorstellten! Die einzige Bedingung war: Ich sollte drei solcher Bienenkästen mitbringen, wie er sie hat, um ein gleiches Rähmchenmaß zu haben. Hierbei handelte es sich um die sogenannte „Segeberger Beute“, welche aus Hartschaum (Polystyrol) gefertigt werden. Das gefiel uns zunächst überhaupt nicht, denn wir wollten auf alle Fälle ein natürliches Marerial für die Beuten, aber ich dachte mir, die Bienen könnten ja später immer noch umziehen. Ganz so schlimm erschienen mir diese „Plastik-Behausungen“ nämlich auch nicht mehr, da ich kurz zuvor eine Korbimkerei in der Lüneburger Heide besichtigt hatte und dieser Besuch mir einen neuen Blickwinkel darauf ermöglichte. Auf dem Gelände dieser Korbimkerei lagerte nämlich eine beachtliche Anzahl dieser „Segeberger Beuten“ und gleich zu Beginn der Führung erläuterte uns der Korbimker: „Bevor jetzt einer meckert, gleich vorweg:“ (hält dabei eine Segeberger Zarge in die Höhe) „Auf dieser Segeberger Zarge ist das Herstellungsjahr 1973 zu lesen und sie steht seitdem bei Wind und Wetter draußen. Nun rechnet mal wieviele Holzbeuten oder gar Körbe in diesem Zeitraum ersetzt werden müßten!“ Hinzu kommt, daß Polystyrol lebensmittelrechtlich als völlig unbedenklich gilt und es darf sowohl für Joghurtbecher wie auch für rohes Fleisch verwendet werden. Außerdem haben diese „Segeberger“ noch einen ganz entscheidenden Vorteil: Durch die hohe Verbreitung vor allem in Norddeutschland gestaltet sich sowohl Beratung wie auch die Zusammenarbeit mit anderen Imkern relativ problemlos. Die drei Ableger unserer „Schleswiger Landbiene“ entwickelten sich darin auch sehr prächtig, all drei hatten nach kurzer Zeit Königinnen gezogen, überstanden problemlos den Winter und brachten gleich im ersten Jahr eine ganz anständige Honigernte zuwege. Aber nicht nur das: Durch Schwarmfang und Ablegerbildung konnten wir den Bestand auch erheblich erweitern, so daß wir zum Ende des ersten richtigen Bienenjahres bereits eine zweistellige Völkerzahl an zwei verschiedenen Standorten hatten.
Schwarm beim Einlaufen in "Warré" Beute
Als wir im April 2014 unsere ersten Bienenvölker hier in die Stadt Schleswig holten, glaubten wir, sie würden nun wohl vorrangig die vielen Obstbäume in den Gärten der Nachbarschaft anfliegen. Aber die Laboruntersuchung des Honigs ergab etwas anderes: Kernobst stand erst an sechster Stelle und an vorderer Stelle waren die Frühblüher von der Schützenkoppel und den Königswiesen.
Die Lebensbedingungen unserer Bienen in der alten Wikingerstadt Schleswig sind übrigens sehr viel besser als auf dem Land! Es gibt hier im Umkreis kaum landwirtschaftliche Flächen, welche in der Regel massiv mit chemischen Mitteln behandelt werden, dafür aber jede Menge Gärten, Parks, Wälder und auch noch viele naturbelassene Ländereien. In einem agrarindustriellen Umfeld mit Raps- und Maisanbau im großen Stil finden die Bienen heute keine ausreichende und abwechslungsreiche Nahrung mehr, in Schleswig herrscht dagegen ein nahezu durchgehendes Trachtband, das heißt, es blüht den ganzen Sommer hindurch immer irgendwas. Sammlerbienen befliegen übrigens einen Umkreis von über drei Kilometern, sie erreichen somit nahezu das gesamte Stadtgebiet und selbst die heutigen Wiesen von Haithabu gehören noch dazu.

Außerdem dürfen (und sollen) unsere Bienen schwärmen, den Königinnen werden bei nicht die Flügel beschnitten, Ihnen wird kein Markierungsplättchen mit Sekundenkleber auf den Rücken geklebt und die notwendige Behandlung gegen die Varroamilbe erfolgt ausschließlich mit natürlichen Säuren, wie Ameisen- und Oxalsäure. So zeigten die von uns in Auftrag gegebenen Laboruntersuchungen wie Pollenanalyse (was ist im Honig, wie setzt er sich zusammen und sind Verunreinigungen feststellbar?) und Futterkranzproben (befinden sich Krankheitserreger wie z. B. die der amerikanischen Faulbrut im Volk?) in allen Bereichen hervorragende Werte und unser Honig hat somit eine Top-Qualität!

Imkerin mit Holzbeute im Normalmaß

Nun arbeiten wir natürlich nach wie vor an einer wikingerzeitlichen Imkereidarstellung und nennen inzwischen auch diverse sehr alte Bienenkörbe (Lüneburger Stülper und Kanitzkörbe) sowie eine historische Honigpresse unser eigen. Außerdem verfügen wir nun auch über einige Holzbeuten sowie drei sogenannte „Warré-Beuten“, welche einer frühmittelalterlichen Abbildung zumindest äußerlich recht nahe kommen. Auch die „Dunkle Biene“ hatte im letzten Jahr schon bei uns Einzug gehalten, dieses Experiment war dann aber leider doch nicht von Erfolg gekrönt.

Honig vor Lüneburger Stülpern

Alle diese Maßnahmen kosten selbstverständlich Geld und mit einer Schwarm- oder gar Korbimkerei läßt sich natürlich auch nur ein Bruchteil des Honigs wie in einer konventionellen Imkerei ernten. Außerdem beträgt der notwendige Arbeitseinsatz dafür ein vielfaches wie in der konventionellen Systemimkerei. Inzwischen können wir das durch Erfahrungen in beiden Bereichen schon recht gut beurteilen. Unser Honig ist somit keineswegs mit Honig vom Imker aus dem Nachbardorf oder gar mit Honig aus dem Supermarkt vergleichbar! Der Geschmack unseres Honigs ist fruchtig-frisch, nicht zu süß und er kandiert trotz unseres Verzichts auf Impfung (Verschnitt mit anderem Honig), Druckfilterung, Erhitzung oder wochenlangem Rühren lange erstmal nicht. Sollte er dennoch nach einiger Zeit etwas fester werden, kann man ihn mit vorsichtiger Erwärmung (nicht über 40 Grad!) z. B. im Wasserbad wieder flüssig machen.

Honig aus der Wikingerimkerei

Zum Abschluß darf bei uns etwas mythisches natürlich nicht fehlen. Unsere Schwarmverhinderungsmaßnahmen werden somit durch wiederholtes Aufsagen oder Singen des alt-anglo-sächsischen Gedichtes  „For a Swarm of Bees“ unterstützt… 😉

„Sitte ge, sīgewīf,
sīgað tō eorðan,
næfre ge wilde
tō wuda fleogan,
beō ge swā gemindige,
mīnes gōdes,
swā bið manna gehwilc,
metes and ēðeles.“

(Modern English translation:

„Settle down, victory-women,
never be wild and fly to the woods.
Be as mindful of my welfare,
as is each man of border and of home.“)

Guten Appetit!

 

Mythen – erzählt und verglichen

Februar 25, 2016 in Veranstaltungen

Heute sind die alten und uralten Mythen mal eben schnell im Internet nachlesbar oder als schöne Schmuckausgabe im Buchhandel zu besorgen. Die Wurzeln dieser möglicherweise über Jahrhunderte überlieferten Geschichten liegen jedoch in der mündlichen Erzähltradition. Dabei war es vielleicht nicht immer wichtig, ob das Erzählte etwas noch nie Gehörtes gewesen ist, sondern WIE die Geschichte erzählt wurde. Die Abende an der Volkshochschule in Schleswig mit der Erzählerin Anne Paysen-Petersen bieten eine schöne und heutzutage selten gewordenen Gelegenheit, die alten Mythen so ursprünglich zu erleben!

Mythenvergleich

Schon in letzten Kurs über das „Niebelungen-Lied“ war es beeindruckend, wie Anne Paysen-Petersen aus dem Gedächtnis heraus die reich ausgeschmückte Handlung frei erzählte. Ihr Interesse an den alten Mythen ist deutlich zu spüren. So brachte sie zu den Kursterminen immer auch Hintergrundinformationen in Form von Bildbänden zu den Handlungsorten oder künstlerischen Darstellungen der erzählten Geschehnisse mit.

Im aktuellen Kurs, dessen erster Termin bereits stattfand, geht es nicht nur ums Erzählen, sondern auch um erstaunliche Ähnlichkeiten, die sich in der nordischen und griechischen Mythologie finden lassen. So sind die Abende jeweils zwei Göttern bzw. Helden gewidmet, deren Leben und Handeln Parallelen aufweisen. Die Abende sind einzelnd für 8,- Euro besuchbar, eine Kursbuchung als Block war für 24,- über www.vhs-schleswig.de und 04621 96620 möglich.

Der Lollfußer Mythenpfad

Oktober 30, 2015 in Ausflugstipps, Das Haus im Lollfuß 15

 

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„Ein Lehr- und Erlebnispfad für nordische Mythologie und regionale Legenden im 7. Quartier der Wikingerstadt Schleswig“ lautet der Titel eines Konzeptes, welches ich vor ziemlich genau einem Jahr schrieb, um es danach meinen Vorstandskollegen der „Interessengemeinschaft Pro Lollfuß“ vorzulegen. Natürlich habe ich an die Umsetzung dieses Vorhabens geglaubt, aber dass es letztendlich mit einem solchen Enthusiasmus und mit einer derartigen Geschwindigkeit losgehen würde… Nein, davon wagte ich nicht einmal zu träumen!

An dieser Stelle möchte ich daher zunächst allen danken, die in unterschiedlichster Weise dazu beigetragen haben, dieses Vorhaben umzusetzen! Dazu gehören an erster Stelle der Vorstand sowie die vielen aktiven Mitglieder der „Pro Lollfuß Interessengemeinschaft“, aber auch den Künstlern Arndt Mathan, Sven Bliesener, Daniel Siedel und Armin Lohmann, der Stadt Schleswig sowie vielen anderen Menschen und Institutionen aus Schleswig und Umgebung, von denen einige auch als „Mythen-Mäzene“ aufgetreten sind. Gedankt werden soll aber auch den ganzen kleineren Spendern, welche halfen, die Spendendosen in den Lollfußer Geschäften zu füllen. All dieses hat nämlich dazu beigetragen, dass der Lollfußer Mythenpfad heute nicht nur existiert, sondern auch bereits durchfinanziert ist!

Nach nicht einmal einem Jahr sind nun bereits neun Stromkästen gestaltet und es wurden zwei Skulpturen aus Lindenholz erstellt. Die Internetseite www.lollfusser-mythenpfad.de steht bereits, ein Logo existiert, Flyer wurden gedruckt und verteilt und sogar erste Merchandise Produkte werden schon angeboten. Im Hintergrund laufen bereits Gespräche mit weiteren Spendern, aber auch über zukünftige Projekte und entsprechende Standorte – was bedeutet, es wird definitiv weitergehen!

Hier die gestalteten Stromkästen:

So sehen die Flyer aus, die in vielen Lollfußer Geschäften mitgenommen werden dürfen:

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Unsere neuen Skulpturen erzählen die Geschichten von Freyja und den vier Zwergen sowie von Tyr und Fenrir:

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Impressionen von der Einweihungsfeier der Skulpturen:

Ralf Matthies im Oktober 2015

Schönes Neues 2015!

Januar 27, 2015 in Allgemein, Warenangebot

Die Rauhnächte liegen nun hinter uns und wir haben diese besinnliche Zeit „zwischen den Jahren“ ganz traditionell genutzt: Also haben wir weder Wäschleinen gespannt (in denen sich die „Wilde Jagd“ verfangen könnte) noch weiße Wäsche hinausgehängt (welche die Reiter im darauffolgenden Jahr für Ihre Besitzer möglicherweise als Leichentuch verwenden könnten) und auch auf Kartenspiele wurde selbstverständlich verzichtet… Etwas schwieriger wurde es dann schon beim Verzicht auf  „Drehendes“, also auf alles, was sich irgendwie dreht (um den Lauf der Sonne in dieser für sie doch etwas orientierungslosen Zeit nicht durcheinander zu bringen). Eine heutzutage eher leichte Übung ist es sicher, das Spinnrad mal einige Tage nicht zu benutzen, aber Autos, Fahrräder, Schiebkarren, Kinderwagen und auch Schallplatten, CD`s und DVD`s haben drehende Teile. Auch der Genuß von größeren Mengen Alkohols oder anderen Drogen mußte natürlich unterbleiben, denn was ist, wenn man ins Bett geht und sich plötzlich alles dreht? Oder Computerspiele, oder Filme in denen etwas drehendes gezeigt wird? Er wurde während dieser „Zwölften“ nichts neues begonnen sondern nur altes beendet und wir haben einfach etwas innegehalten und neue Kraft geschöpft. Nun, alle Ge- und Verbote konnten wir natürlich nicht einhalten, aber wir haben uns wenigstens Gedanken darüber gemacht!  😉

Ein ganz wesentlicher Gedanke dazu lag in der Frage, welchen Zweck diese ganzen Regeln verfolgen, wobei die genannten lediglich als Beispiele zu verstehen sind, es gibt da nämlich noch eine ganze Reihe mehr, die allerdings von Region zu Region variieren. „Besinnliche Weihnacht“ wünscht man sich bis heute vorwiegend in christlichen Kreisen. Eigentlich müßte es „Weihnächte“ heißen und sich nicht nur auf zwei Tage, sondern auf zwölf Nächte, „die Zwölften“ beziehen, denn das sind die ursprünglich geweihten Nächte. Und „besinnlich“ hat was mit „Sinn“, „Besinnung“ oder auch „besinnen“ zu tun. Also haben wir diese Zeit genutzt, uns mit dem vergangenem Jahr auseinander zu setzen und Antworten auf die Fragen „Wo wollten wir eigentlich hin?“, “ Was wollten wir erreichen?“ und „Was haben wir tatsächlich erreicht?“ zu formulieren. Mit diesen Ergebnissen haben wir dann konkrete Ziele für das kommende Jahr festgelegt, aber auch Wünsche formuliert. Das ist es, was wir unter „Besinnliche Weihnächte“ verstehen und von dem wir überzeugt sind, daß sich hierin der Hintergrund dieser alten Bestimmungen zu den Rauhnächten findet. Wenn die Menschen unterschiedlichster Kulturen ihre alten Texte genauso interpretieren und in die heutige Zeit transferieren würden, hätten uns zu diesem Jahresanfang gewiß weniger traurige Nachrichten aus aller Welt erreicht, denn das funktioniert genauso mit der Bibel, dem Koran, der Thora, den Veden oder den Eddas. Eine wörtliche Übernahme solch alter Schriften ist dagegen blanker Unsinn!

Natürlich haben wir uns auch mit etwas Praktischem befasst, denn genau in dieser Zeit soll auch die wichtigste Winterkontrolle bei den Bienen durchgeführt werden. Auch das ist übrigens eine alte Überlieferung, welche sich schon in der ältesten Imkerliteratur wiederfindet. Sehr gefreut hat uns dabei, daß alle Völker offensichtlich wohlauf waren! Gleich nach den Rauhnächten haben wir dann damit begonnen, die ersten der neuen Pläne in die Tat umzusetzen, und deshalb können wir Euch jetzt schon drei deutlich erweiterte Warengruppen präsentieren. Es gibt eine Reihe wunderschöne, beschnitze Thorshämmer aus Bernstein, Holzwaren wie Hocker und Schinkenbretter, die in erstklassiger Handarbeit mit nordischen Motiven versehen sind sowie eine bunte Auswahl an seidig-langhaarigen Fellen von Nordlandschnucken aus Island und den Faröer Inseln und auch unsere kuscheligen „Auenländer“ mit den Fleckmustern sind jetzt wieder zu haben.

 

 
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